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News / 16. June 2009

Heidelberger Rektor löst Senat auf

Bildungsstreik 2009 „Die vom Land Hessen angekündigte Übernahme der Tarifsteigerung für wissenschaftliches Personal in der Höhe von rund 4 Millionen Euro sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und zeigt, dass das Land Hessen seine Hochschulen und Studierende im Stich lässt“,  beschwert sich Jan Beberweyk Referent für Hochschulpolitik AStA der Universität Marburg. „Bisher wurden zumindest zwei Drittel der Tariferhöhungen vom Land übernommen“, erklärt Beberweyk weiter.

 Etwa 200 Mitglieder der Universität Heidelberg haben am 16. Juni 2009 die Sitzung des Senats gesprengt. Die durch den bundesweiten Bildungsstreik 2009 motivierten Studierenden und Promovierenden konfrontierten den Senat mit einem Entwurf einer Grundordnung einer „Freien Universität Heidelberg“.

Die LAK fordert von der Landesregierung eine solide Ausfinanzierung des Hochschulwesens und somit  eine deutliche Erhöhung des Budgets der hessischen Hochschulen. Nur eine Erhöhung des Budgets und eine langfristige Planungssicherheit der Hochschulen können, gerade im Hinblick auf die doppelten Abiturjahrgänge und dem Anstieg der SWährteunddi edrees öfnfdeennzahlent in den kommenden Jahren, Qualität im Studium gewährleisten.> Pressemitteilung der Aktiven gegen die Exzellenzinitiative der FU

Darüber hinaus fordern wir eine Finanzierung der Hochschulen, die sich nicht an Leistungsparametern wie der Einwerbung von Drittmitteln, der Absolventen-, sowie Promotionenzahl der Hochschulen bemisst. „Durch diese Leistungsbezogene Budgets sind Professorinnen  Wbäspwhrend. immer mehr mit der Drittmitteleinwerbung beschäftigt. Damit verschwenden sie Zeit, die sie für pLehre und Forschung aufbringen könnten“,  mahnt Jens Liedtke Referent für Hochschulpolitik, AStA der Hochschule Darmstadt. *Exzellenz? Not my FU*ture – Exzellente Protestkultur an der Freien Universität Berlin*

Nicht zuletzt ist der Drittmittelzwang eine Gefahr für die Unabhängigkeit der Lehre und Forschung. „Mit Budgetkürzungen, wie jetzt im Hochschulpakt, zieht sich das Land letztendlich immer mehr aus der Finanzierungsverantwortung heraus und treibt die Hochschulen in die finanzielle Abhängigkeit der Wirtschaft“ protestiert Liedtke abschließend. Im Rahmen der Exzellenzinitiative konkurrieren seit einigen Jahren die deutschen Universitäten um Forschungsgelder. An der Freien Universität findet diese Woche eine Begehung statt. Studierende haben deshalb eine Aktionswoche organisiert. Eine Infokampagne leistet Aufklärung, spielerische Protest-Aktionen sind angekündigt.

Seit 2006 treten die Hochschulen Deutschlands in der “Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen” gegeneinander an.
Der Forschungswettbewerb markiert einen grundlegenden Wandel in der Bildungspolitik hin zur gezielten Förderung von Eliten. Statt die chronisch unterfinanzierte Hochschullandschaft grundlegend auszufinanzieren, werden einige wenige Hochschulen zu Exzellenzzentren erkoren. So konzentriert sich die bis 2012 bereit gestellte Summe von 1,9 Milliarden Euro auf gerade einmal 33 von 106 deutschen Hochschulen.
Geld erhalten die Hochschulen, die ohnehin besser gestellt sind, als andere.

Auch die FU konnte sich als “Leuchtturm der Wissenschaft” (Pressemeldung der FU, 2007) das Siegel “Eliteuniversität” auf die Fahnen schreiben.
“Für die meisten Studierenden und Uni-Mitarbeiter_innen ist der Zusatz Eliteuni allerdings kein Grund zum Jubeln”, meint Anne Schindler, hochschulpolitische Referentin des AStA der FU.

Bei den Studierenden oder Mitarbeiter_innen kommt das Geld nicht an, ein Elitetitel bedeutet keine bessere Ausfinanzierung der Lehre. Vielmehr orientiert dieser sich an den Maximen wirtschaftlicher Verwertbarkeit und internationaler Sichtbarkeit. Die Lehre wird auf unmittelbar marktfähige Inhalte reduziert: Geisteswissenschaften und Teile der Sozialwissenschaften werden zugunsten anwendungsorientierter, meist naturwissenschaftlicher und technischer Fächer, abgewertet; der Leistungs- und Selektionsdruck auf allen Ebenen wird erhöht; ein eigenständiges und kritisches Studium ist nicht gewollt und kaum noch möglich. Um das Exzellenzkriterium der “Steuerbarkeit” zu gewährleisten, gehen gleichzeitig die Entscheidungsbefugnisse zunehmend in die Hände des Präsidiums über, welches die Universität im Sinne eines strategiebasierten Managements regiert. Tatsächlich wurde die FU im Jahr 2006 als “Unternehmerischste Universität” gekürt.

Im Rahmen einer weiteren Wettbewerbsrunde wird am Donnerstag, den 2.2.12, eine Gutachter_innenkommission die FU besuchen. Vor dem Hintergrund des Schadens, den die Exzellenzinitiative jetzt bereits angerichtet hat, kann es kaum verwundern, dass Studierende Gegenaktionen angekündigt haben. “Zunächst geht es darum aufzuklären und klar zu machen, was sich hinter den Worthülse 'Exzellenz' und Eliteuni verbirgt”, so Inga Kreuder, die bereits im Bildungsprotest des vergangenen Jahres aktiv war. Auf dem Programm steht eine Diskussionsveranstaltung mit Bodo Zeuner (Prof. em. OSI), Andy Möbius (AStA FU) und Ellen Höhne von der Uni Bremen, in der bereits vor zwei Wochen einige Anti-Exzellenz-Aktionen stattfanden. Höhepunkt der Aktionswoche wird ein spektakulärer Gegen-Wettbewerb am Donnerstag sein.
“Wir laden alle FU-Angehörigen zu sportlichen, schrillbunten und bissigen Wettkämpfen ein. Mit einer 'Exzellenziade' werden wir diesem von Konkurrenzwahn und undemokratischem Unternehmensgeist beherrschten Zirkus den Spiegel vorhalten”, kündigt Inga Kreuder an. Ihr und vielen anderen Aktivist_innen geht es nicht um die Berichtigung von einzelnen Aspekten des Wettbewerbs. Sie sehen die ganze Exzellenzinitiative, sowie die damit einhergehende Ideologie von Autorität und Marktförmigkeit kritisch.

Inga Kreuder : littlegwendoline@aol.com
<mailto:littlegwendoline@aol.com>, 0179 1714437

das Interesse der Medien groß war, zeigte sich Rektor Eitel weniger interessiert und entschloss sich, den Antrag nicht zu behandeln. Stattdessen versuchte er – ungeachtet zahlreicher Wortmeldungen – zum Tagesgeschäft zurückkehren und sich nicht auf eine gemeinsame Diskussion einzulassen.

Unter Protest der Anwesenden, die die drängenden Probleme der Universität zur Sprache zu bringen versuchten, löste der Rektor die Senatssitzung vorzeitig auf und verschob sie auf unbekannte Zeit. Dies hinderte Eitel nicht, im Anschluss hinter verschlossenen Türen sämtliche Entscheidungen in aller Ruhe per Eilentscheid zu treffen.

In der darauf folgenden Diskussion über die vorgelegte neue Grundordnung wurde das Projekt der „Freien Universität Heidelberg“ begründet. Die derzeitige Diskussionsgrundlage sieht eine Demokratisierung der Universität vor, das heißt: Erstens Beteiligung aller Mitglieder der Universität in gleichberechtigter Art und Weise auf allen Entscheidungsebenen; zweitens die Wiedereinführung des Senats als höchstes beschlussfassendes Gremium sowie der Verfassten StudentInnenschaft in Form eines Studierendenrates.

Die Proklamation einer neuen Grundordnung der Freien Universität Heidelberg zielt nicht zuletzt auf eine Änderung des Landeshochschulgesetzes und zeigt realistische Alternativen zum derzeitigen Bildungsmodell.

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